Eindrückliche Momente: Rastatt und Kuppenheim nahmen an Gedenkfeier in Gurs teil

Zur Gedenkfeier auf dem Deportiertenfriedhof im südfranzösischen Gurs waren am Sonntag, 28. Oktober, auch Vertreter der Stadt Rastatt und der Stadt Kuppenheim gereist.

Bürgermeister Arne Pfirmann, Uwe Ridinger, Mitglied des Kuppenheimer Gemeinderates, Rastatts Stadtarchivar Oliver Fieg und Schülerinnen Dina Wacker (LWG) und Gabriela Hoffmann (Anne-Frank-Schule) erlebten bewegende Momente. Auf der Gedenkfeier wachgerufen wurden die Grausamkeiten, die 6.500 von den Nazis verschleppte Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland vor nunmehr 76 Jahren im Lager Gurs ertragen mussten. Im Lager am Fuße der Pyrenäen starben mehr als 1.000 der Deportierten an Hunger, Kälte oder Epidemien; für die meisten anderen war Gurs „Vorhölle“ vor dem Weitertransport in die Vernichtungslager Auschwitz oder Treblinka.
Am Montag traf die Delegation aus den Städten der Arbeitsgemeinschaft, darunter mehr als 30 Schüler/innen, Dr. Kurt Salomon Maier aus den USA, einen der wenigen noch lebenden Zeitzeugen der Naziverbrechen. Kurt Salomon Maier, als jüngster Sohn des Stoffhändlers Siegfried und Charlotte Maier geborene Auerbacher 1930 in Kippenheim geboren, berichtete von seiner Jugend, der Deportation und den unmenschlichen Bedingungen im Lager Gurs. Die Familie Maier konnte 1941 über Casablanca in die USA auswandern, da sie sich bereits in Deutschland ein Visum beantragt hatten. Dr. Maier begleitete die Delegation anschließend zum Ort des ehemaligen Lagers wo er das Grab seines dort verstorbenen Großvaters aufsuchte.
Seit Jahren ist Kurt Salomon Maier jährlich in Baden unterwegs und berichtet vor allem vor Jugendlichen über seine Jugend im Dritten Reich und das Schicksal seiner Familie. Wenige Tage, am 24. Oktober, sprach Kurt Salomon Maier vormittags mit Schülern der Realschule Gernsbach und hielt abends im Kuppenheimer Alten Rathaus einen Vortrag. Seine Kraft zieht er daraus, dass es außer ihm kaum noch Überlebende des Lagers Gurs gibt, die die Ereignisse aus erster Hand schildern können: „Wir sind die Letzten, die diese Zeit kennen. Dann hört es auf.“ Daher hielt er seine Erinnerungen in seinem 2011 erschienen Buch „Unerwünscht. Kindheits- und Jugenderinnerungen eines jüdischen Kippenheimers“ für die Nachwelt fest.
Aus Rastatt wurden seinerzeit 30 jüdische Bürger nach Gurs deportiert, aus Kuppenheim 16 Juden. Unter ihnen waren auch Josef Julius und Cäcilie Mayer, die in der Josefstraße in Rastatt ein kleines Zigarrengeschäft führten. Mayer, bekannt auch als „Zigarrenmayer“ und „Mayerseppl“, war im Vorstand der Großen Karnevalsgesellschaft, Mitglied der freiwilligen Feuerwehr, der Turnerschaft Rastatt und eines Gesangvereins. Er veröffentlichte etliche Lieder und Gedichte auf seine Vaterstadt Rastatt und genoss bei seinen Mitbürgern großes Ansehen.

Bildunterschrift:
Einen beeindruckenden Besuch in Gurs erlebten Dina Wacker (LWG), Stadtrat Uwe Ridinger aus Kuppenheim, Stadtarchivar Oliver Fieg, Rastatts Bürgermeister Arne Pfirrmann, Zeitzeuge Dr. Kurt Salomon Maier, Rastatts Erster Beigeordneter Arne Pfirrmann und Gabriela Hoffmann (Anne-Frank-Schule) (von links)
(Foto: Stadt Rastatt)

 

 

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