Raon L'Étape und Kuppenheim feiern gemeinsam das Ende des Ersten Weltkrieges vor hundert Jahren

"Meine Liebe, Du musst Dir keine Sorgen machen ..." schrieb der Kuppenheimer Eugen Vordermeyer am 30. Juni 1916 an seine Frau.

Drei Tage später ist er in der Schlacht an der Somme gefallen. Sein Schicksal stand am vergangenen Sonntag stellvertretend für Millionen Opfer. Kuppenheim und Raon l'Étape gedachten am 11. November gemeinsam in der französischen Partnerstadt des Endes des Ersten Weltkriegs vor hundert Jahren und der Gefallenen beider Städte. Der Einladung der Stadt Raon und der örtlichen Sektion von Souvenir Français, folgte angeführt von Bürgermeister Karsten Mußler und Jolanda Haist, der Ko-Vorsitzenden des Partnerschaftsausschusses, eine stattliche Delegation aus Kuppenheim, darunter Pfarrer Martin Sauer, die Gemeinderäte Uwe Ridinger und Gerold Wendelgaß, zahlreiche Mitglieder des Ausschusses sowie die Realschülerinnen Julia Knaus, Sarah Kriecher und Lisa Tietze. Wie Teilnehmer bestätigten, war es eine sehr symbolische und zugleich bewegende Gedenkfeier, an der die Bevölkerung, darunter auffallend viele Jugendliche, großen Anteil nahm.
 
Ein Gottesdienst, den der emeritierte Bischof von Bourges Armand Maillard und Pfarrer Martin Sauer gemeinsam zelebrierten, leitete die Feierlichkeiten ein. Das Wort 'gemeinsam' blieb an diesem Tag das leitende Wort. Gemeinsam machten sich Franzosen und Deutsche in einem langen Zug auf den Weg und legten gemeinsam an den Denkmälern der Kriegstoten Blumengebinde nieder, zuerst im Stadtteil Neuveville, dann an der zentralen Place Tisserand, schließlich unter den Rathausarkaden, wo auf drei großen Marmortafeln lange Namensreihen an die Kriegsopfer der Stadt erinnern. Und es gab die Augenblicke, die haften bleiben: Als betagte Veteranen bei der Kranzniederlegung die Regimentsfahnen senkten und Karsten Mußler und sein Raoneser Kollege Benoît Pierrat danach Hand in Hand verharrten. Oder wenn unter den Arkaden Schüler und Schülerinnen aus den beiden Städten aus Feldpostbriefen des Deutschen Eugen Vordermeyer und des Franzosen Albert-Jean Després, beide junge Familienväter, beide gefallen, vorlasen und danach die französische, die deutsche und die Europahymne erklang.
 
Nach einem gemeinsamen Mittagessen fand in der vollbesetzten Veranstaltungshalle Beauregard die Säkularfeier ihre Fortsetzung. Dort waren auch Bilder der Raoneser Künstlerin Martine Junier ausgestellt, die die Schrecken des Krieges illustrierten. In den Ansprachen der beiden Bürgermeister wurde deutlich, wie ähnlich heute beidseits des Rheins dieser Krieg beurteilt wird. Benoît Pierrat: "Es gab nur einen Sieger, den Tod." Ähnlich auch die Konsequenzen, die beide Bürgermeister aus ihm zogen. Karsten Mußler: "Lassen wir in Erinnerung an Albert-Jean Després und an Eugen Vordermeyer, in Erinnerung an die Opfer dieses mörderischen Krieges keine Zweifel zu am Wert und an der Zukunft des europäischen Projekts! ". Und Mußler dankte für die Einladung zur gemeinsamen Gedächtnisfeier und er dankte allen, die durch die Gründung und die Förderung der Partnerschaft die Voraussetzung für die heutige Freundschaft geschaffen hätten. Für Verdienste um die Partnerschaft übergab die Vorsitzende des französischen Komitees Christiane Laval eine Friedenstaube aus Keramik, geschaffen vom Komiteemitglied Christian Louis, an Benoît Pierrat, Antoinette Stahlberger, Albrecht Klingsporn, Martin Sauer, Gerhard Strolz, Annemarie Schindler, Jolanda Haist, Karsten und Sabine Mußler, Armelle Pierrat und Jean-Michel Cristini von Souvenir Français.

Der Erste Weltkrieg war Projektthema in den Schulen von Raon l'Étape. Die Ergebnisse konnten sich sehen lassen. Schüler des Collège Louis Pasteur zeigten dem Publikum im Saal mit Bildern und Brieftexten ("Auch nach hundert Jahren hallen ihre Stimmen noch nach") die Realität des Soldatenlebens und in der Stadt hatten sie einen Gedächtnispfad angelegt, der bis zum 1.Dezember zu den vom Krieg betroffenen Örtlichkeiten führt und sie mit großformatigen Fotos und per QR-code erläutert. Eine originelle Idee hatten die Grundschüler: Vor dem Rathaus richten sie von "Friedensbäumen" aus ihre individuellen Botschaften, intensiv zum Thema deutsch-französische Freundschaft, mit Worten und Zeichnungen an den Betrachter.
 
Im Beauregard gab es zum Abschluss der Feier ein "Friedenskonzert". Französische Soldatenschlager aus dem Ersten Weltkrieg (wie "Quand Madelon ..") und deutsche romantische Weisen (wie Schumanns "Träumerei") lösten sich ab. Die Akteure auf der Bühne, die Stadtkapelle aus Raon, das Orchester Apromuse aus Senones, zwei Chöre aus Raon, La Clé des Chants und ein Jugendchor, sowie das Vokalensemble Salm mit den Dirigentinnen Aline Perrin, Annie Boulanger und Dominique Eumont erfreuten das begeisterte Publikum mit Zugaben.
 
Nie sei ihm der Sinn dieser Städtepartnerschaft deutlicher geworden als an diesem Tag, meinte ein Teilnehmer auf der Rückfahrt nach Kuppenheim.

Bildunterschrift: Die Bürgermeister Karsten Mußler und Benoît Pierrat nach der Kranzniederlegung am zentralen Denkmal
 

 

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