Erstes Partnerschaftstreffen nach zwei Jahren Corona-Pause

Gemeinsam auf deutsch-französischen Spuren

Die Dame im roten Jacket in der Mitte des Bildes ist die älteste Person der Gruppe. Die 95jährige Marie-Magdelaine Jeandel, die früher in Paris lebte und jetzt in dem kleinen Ort Luvigny bei Raon l'Étape wohnt, macht aus ihrem Alter kein Geheimnis. Sie ist Mitglied im Raoneser Ortsverband von Souvenir Français, der nationalen Organisation für das Gedenken an die französischen Opfer der Weltkriege. Regelmäßig nimmt sie teil an den von den Partnerstädten Kuppenheim und Raon -l'Étape zusammen mit Souvenir Français veranstalteten Bürgerfahrten zu Orten der deutsch-französischen Geschichte mit ihren dunklen und hellen Seiten.
 
Nach Chapelotte bei Raon, nach Verdun, Hartmannsweilerkopf und Colombey-les-Deux-Églises war es das fünfte Treffen. " Französisches Baden-Baden" hieß diesmal das Thema. Für Marie-Magdeleine sind diese gemeinsamen Besuche und der damit verbundene Gedankenaustausch enorm wichtig für ein besseres gegenseitiges Verständnis. Sie erzählte Bürgermeister Karsten Mußler, der sie beim abendlichen Empfang der Gäste in der neuen Veranstaltungshalle besonders willkommen hieß : "Mein Großvater war im Krieg von 1870. Mein Vater hat im Ersten Weltkrieg gekämpft, mein Mann im Zweiten. Ich bin froh über die Freundschaft und dass wir in Frieden leben." Und sie war froh, dass das im letzten Jahr wegen Corona ausgefallene Treffen in diesem Jahr stattfinden konnte, wenn auch mit beschränkter Personenzahl.
So folgten Raoneser und Kuppenheimer, alle versehen mit vollem Impfschutz, der französisch sprechenden Stadtführerin Lydia Erforth auf zahlreichen Spuren, die die Franzosen in Baden-Baden im 19. und 20. Jahrhundert hinterlassen haben: von Brenners Parkhotel, wo sich Adenauer und De Gaulle trafen, über Kurhaus und Casino bis zur Cité, wo Maison Louvre und Maison Paris noch etwas von der ehemaligen französischen Präsenz ahnen lassen. Dort lernten Einheimische bald nach dem Krieg die Vorteile französischer Lebensart kennen, z. B. eine Baguette am Sonntagmorgen kaufen zu können. Die Führung durch das "schönste Casino der Welt", wie es Marlene Dietrich nannte, vermittelte wiederum die enorme Bedeutung der Franzosen für den Aufstieg der Kurstadt zur Sommermetropole Europas im 19. Jh.
 
Bürgermeister Karsten Mußler nutzte das gemeinsame Mittagessen für einen Willkommensgruß an die Gäste aus der Partnerstadt. Sein besonderer Gruß galt seinen Kollegen Benoît Pierrat und Jean Hirli sowie den Freunden von Souvenir Français, vor allem dem Vorsitzenden Patrick Havette und der Schatzmeisterin Michèle Rappolt. Er freute sich, dass zahlreiche Kuppenheimer am Treffen teilnahmen, die Vertreter der Gemeinderatsfraktionen, etliche Mitglieder des Partnerschaftsausschusses, darunter Pfarrer Martin Sauer, die Vorsitzenden Jolanda Haist und Gerhard Heinz sowie Albrecht Klingsporn, der das Treffen initiiert und organisiert hatte.
 
Unter der Führung von Jolanda Haist und Lydia Erforth erkundete man nachmittags in zwei Gruppen den Park von Schloss Favorite und lernte die französischen Einflüsse auf dessen Gestaltung kennen. Anschließend erfuhren die Gäste auf einer kurzen Tour de Kuppenheim von Albrecht Klingsporn einiges über deutsch-französische Geschichte aus lokaler Sicht. Zum abschließenden Freundschaftsumtrunk hatte die Stadt Kuppenheim in die neue Veranstaltungshalle geladen. Eine Gelegenheit, die zum Informationsaustausch genutzt wurde, z.B. über das neue Programm zur Aufwertung der Raoneser Innenstadt. In ihren emotionalen Ansprachen war den beiden Bürgermeistern der Partnerstädte die Freude anzumerken, dass dieses Treffen stattfinden konnte. Es sei wichtig für die Partnerschaft, aber auch für die Festigung des europäischen Gedankens, betonten beide. Ihr Dank galt allen Beteiligten, insbesondere Dolmetscher Jean Hirli, Albrecht Klingsporn, Jolanda Haist und Gerhard Heinz.
 
Mitveranstalter und Projektförderer war diesmal das Ministerium für Justiz und Europa Baden-Württemberg.

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